Denver bis New Orleans

Von Denver nach New Orleans (4.217km) 22. Oktober bis 11. November

Die letzten 3 Wochen waren vielleicht die abwechslungsreichsten meiner ganzen Tour. Zunächst gings von Denver und den Rocky Mountains zu den großen Sanddünen, dann weiter zu den Lehmziegelbauten in New Mexiko, es folgten die Öl, u. Cowboystaaten Texas und Oklahoma bevor ich schließlich im Mississippi Delta die Sumpfgebiete Louisianas erreichte.

 

Aber wie immer alles schön der Reihe nach.

 

Ich verließ Denver zunächst in südlicher Richtung und erreichte schon bald Colorado Springs. Hier ist unübersehbar die US Air Force beheimatet. Ich hielt mich aber nicht lange auf und übernachtete 40 Meilen weiter in Pueblo. Am nächsten Morgen stand der einzige Nationalpark dieser Tour auf dem Programm, der Great Sand Dunes NP. Auf einer Fläche von gut 343 km² sind die größten Sanddünen Nordamerikas nicht zu übersehen. Westwinde trugen mit der Zeit aus dem nahen Rio Grande Tal Sandkörner herbei, wo sie an den über 4.000m hohen Bergen hängen geblieben sind. Es ist schon irgendwie eigenartig plötzlich wie aus dem Nichts vor 200m hohen Sanddünen zu stehen. Beim Picknicken besuchten mich einige Rehe, die es aber wohl eher auf meine Jause abgesehen hatten.

Mit Colorado war ich somit durch und bekam nun mit New Mexiko ein komplett anders Land zu Gesicht. Der Anfang machte das kleine und etwas abgeschiedene Städtchen Taos. Es hat in der Künstlerszene einen ausgezeichneten Ruf. Sehenswert im beschauliche Zentrum die (fast) alle im Adobe Stil erbauten Lehmziegelhäuser mit nette Cafes, Restaurants, kleinen Läden  aber natürlich auch mit zahlreiche verrückte Galerien. Außerdem steht das Pueblo auf  der UNESCO Liste und gilt als die älteste durchgehend bewohnte Siedlung Amerikas ! Als es bereits dunkel wurde erreichte ich die Hauptstadt von New Mexiko, Santa Fe. Vor 2 Jahren feierte die Stadt ihren 400sten Geburtstag. Noch heute besticht die Stadt mit den Lehmhäusern im Adobe Stil mit viel spanisch-mexikanischem Flair. In der Mitte der Stadt findet man kaum etwas anderes als Kunstgalerien. Nicht umsonst zählt Santa Fe nach New York zur wichtigsten Kultur Szene in den USA ! Die St. Francis of Assisi Kirche ist im Neoromantik Stil erbaut und hebt sich von den umliegenden Lehmbauten deutlich ab.

 

Auch bei den kulinarischen Genüssen ist New Mexiko anders. Die Burritos, Tacos oder Nachos bestehen hauptsächlich aus Bohnen, Chili und Mais und werden oft mit Rinder oder Hühnerfleisch serviert. Muß man probiert haben, lecker !! Last but not least stattete ich der Kleinstadt Las Vegas (nicht verwechseln mit LV in Nevada !) einen Besuch ab. Hier gibt es eine große Anzahl von alten, geschichtsträchtigen Häusern. Sonst ist es aber in der Stadt  recht friedlich und ruhig.

Die weitere Route führte mich auf der berühmten Route 66 gen Osten. Ich streifte dabei erstmals Texas und übernachtete in Amarillo. Riesengroße Rinderherden, immer wieder Ölbohrtürme und viel, sehr viel Weideland. In der Stadt gibt es auch die berühmt berüchtigte Big Texas Steak Ranch. Ein 2kg schweres Steak bekommt man umsonst, wenn man es schafft es in einer Stunde zu verdrücken. Zu Texas später mehr. Nächster Stopp war nämlich Oklahoma mit der gleichnamigen Hauptstadt. Die Stadt wurde buchstäblich über Nacht erbaut. Als die US Regierung das indianerlose Gebiet zur Besiedelung 1889 freigab, stürmten sogleich 10 Tsd. Siedler das Land. Mitte der 1920er Jahre begannen hier die ersten Ölquellen zu sprudeln und bescherte der Stadt neuen Reichtum.

Bekannt sein dürfte auch, das hier der größte Terroranschlag in den USA vor dem 11.9 stattfand. Dabei wurde am 19.April 1995 das Murrah Federal Building völlig zerstört. Heute erinnert ein sehr schön angelegter Memorial Park mit 168 leeren Stühlen an die Opfer des Anschlages. Im Zentrum lädt vor allem der Bricktown District zum Verweilen ein. Ein künstlicher Kanal und viel Grün dominiert hier das Stadtbild. Aber auch einige In Bars, Restaurants und Kino sind hier zu finden. Nur ein paar Blocks weiter das nachts in allen Farben leuchtende Myriad Garden Gebäude (botanischer Garten), das auch mit einem künstl. See umgeben ist.  Die Stadt ist ganz nett und die Downtown (noch) nicht mit Wolkenkratzern verbaut. Mir hat es hier recht gut gefallen.

Ganz im Süden dieses Bundesstaates, kurz vor der texanischen Grenze, befindet sich direkt an der I-35-S das Win Star Casino. Seines Zeichen 2t größte Casino der Welt mit über 2 Tsd. Spielautomaten ! Die Außenfassaden sind berühmten Gebäuden nachempfunden (zB Colosseum, Big Ben usw.). Nach etlichen gefahrenen Km tat eine Pause gut und so sah ich mich hier ein wenig um.

 

Da ich aber noch bei Tageslicht Dallas erreichen wollte, musste ich meine Fahrt bald fortsetzen. Im Nordosten von Dallas befindet sich die aus der gleichnamigen TV Serie berühmte Southfork Ranch. Die Ranch ist eher klein und liegt unscheinbar am Ende einer Baumallee. Für Fans der TV Serie sicher ein kultiger Ort. Für mich aber, der die Serie nie angeschaut hat, ein eher unbedeutender Ort.

Da war Downtown schon wesentlich interessanter. Ich spazierte an der Ecke Elm,- Mainstreet vorbei, an der J.F.Kennedy erschossen wurde. Heute ist an der Stelle die Strasse mit zwei kleinen, weißen Kreuzen markiert. Das weiße, schmucklose Kennedy Memorial ist unweit des Tatortes, hinter dem 1892 erbauten Old Red House (heute Museum), zu besichtigen.

Dallas präsentiert sich heute als moderne, kulturelle Metropole. Auch hier besticht vor allem das Dallas Museum of Art mit seiner außergewöhnlichen Architektur. Nächste Station war Texas Hauptstadt Austin. Ich kam da genau am 31. Oktober an, also genau zu Halloween.

Und was sich da am Abend auf den Strassen abspielte war einfach unglaublich. Zig Tausend Menschen, zum Teil mit recht gruseligen Kostümen stürmten regelrecht die 6th Strasse. Hier findet man eine Bar nach der anderen und das Nachtleben blüht hier richtig auf. War einfach großartig das mal erlebt zu haben ! Austin hat auch sein State Capitol, eine überschaubare Downtown und viel Grün. In den schön angelegten Parks hat man nie das Gefühl in einer Großstadt zu sein. Ein besonderes Ereignis kann man täglich abends an der Congress Avenue Bridge beobachten. Bis zu 1,5 Millionen (!!!) Fledermäuse verlassen ihren Unterschlupf unter der Brücke und fliegen scharenweise zur Futtersuche heraus - unglaublich ! In der Nähe der City wurde erst kürzlich der neue Circuit of the Americas, die neue Formel 1 Rennstrecke, fertig gestellt. Hier findet Ende November der USA GP statt. Leider behinderten Bagger und andere Baumaschinen die Zufahrt. Schaut aber von außen recht gut und modern aus.

Houston, die größte Stadt von Texas, war das nächste Ziel. In meinem Reiseführer steht das man sich erst auf den 2ten Blick in die Stadt verlieben würde. Also bei mir hat es hier nicht gefunkt. Zu groß, zu eintönig, vielleicht auch zu schrill – mir hat es hier nicht unbedingt gut gefallen. Dafür besuchte ich das Fußball Spiel der Houstener im gut gefüllten BBVA Stadion. Das Play off Spiel gewannen die Houston Dynamos gegen Kansas 2:0.

Absolutes MUSS ist aber der Besuch des NASA Space Centers. Hier wurde Raumfahrtgeschichte geschrieben. Schon am Parkplatz ist ein Space Shuttle ausgestellt und drinnen bekommt man sehr viel Interessantes zu sehen. Angefangen mit den Apollo Mondflügen bis bin zur modernen Raumfahrt wurden alle Missionen vorbildlich beschrieben und ausgestellt. Mir jedenfalls hat es hier getaugt und ich habe nun einen ganz anderen Eindruck von den NASA Projekten.

Bis dato hatte ich immer noch nicht meinen südlichsten Punkt der Tour erreicht. Das sollte sich aber nun ändern. Südlich von Houston erreichte ich, die am Golf von Mexiko liegende Stadt, Galveston. Die City liegt auf 29° Nord, also in etwa auf der (geographischen) Höhe wie Kairo (Ägypten). Dementsprechend sommerlich warm war es dann auch. Ich war endgültig zurück im Sommer und hatte tagsüber 32°C – herrlich !

 

Über zwei kostenlose Fähren erreichte ich schließlich den nächsten Bundesstaat – Louisiana. So lange es irgendwie möglich war benutze ich dabei die Küstenstrasse und erreichte am US Wahlabend die Hauptstadt Baton Rouge. Es war fast schon gespenstisch ruhig in der City. Bis auf ein Filmteam das gerade Szenen für ein Movie drehte war sonst nix los. Erst nach längerem Suchen fand sich eine Kneippe mit offensichtlich vielen Obama Fans, denn hier wurde lautstark gefeiert. Ich genehmigte mir auch ein Bud Light, zog mich aber dann bald wieder in meinen Van zurück.

Der nächste Höhepunkt meiner Tour stand an: die City von New Orleans. Die Stadt hat sich nach dem verheerenden Hurrikan Katrina 2005 erstaunlich gut erholt. Zwar sind über 100 Tsd. Menschen nach dem Sturm weggezogen aber schön langsam nimmt die Musikmetropole am Mississippi wieder Fahrt auf. Hier ist vieles möglich bzw. erlaubt was im Rest der USA undenkbar wäre. In der Bourbon Street spielen viele Bands live auf; ob Pop, Rock n Roll oder Jazz – hier sind alle Musikrichtungen zu Hause. Das historische French Quartier besticht  vielerorts durch eine karibisch-kolonial Architektur. Mittendrin der belebte French Market mit vielen einladenden Restaurant und Farmersbuden. Nur einen Steinwurf entfernt die wunderschöne St. Louis Kathedrale und hinter dem Moonwalk (Damm) der mächtige Mississippi River mit den nostalgischen Raddampfern. Hier werden Klischee wahr !

Weitere Höhepunkte waren der Besuch des Luis Armstrong Parks (hier fand Sonntags ein Jazz Konzert statt), die pompösen Friedhöfe St. Louis Cementary 1+2, das Riverwalk Geschäftsviertel und der Mercedes Benz Superdome (Stadion). Obwohl ich hier 4 Tage blieb, reichte die Zeit bei weitem nicht aus um mir alles anzuschauen. New Orleans war auf jeden Fall einen Besuch wert  – echt tolle Stadt !! Langsam sind aber auch meine Tage in den USA gezählt und ich musste mich weiter auf den Weg machen. Wohin und was ich dabei alles erlebt habe, erfährt ihr wie immer in 3 Wochen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0